Wiederentdeckte Ölpflanzen
Quelle: Artikel für Die Grüne" 32/97: 18-19
Vito Mediavilla, FAL
Neben den bekannten Ölpflanzen Raps, Soja und Sonnenblumen gibt es eine Anzahl vergessener, die bei uns anbauwürdig wären und die eine vielversprechende Ölqualität aufweisen. Krambe, Leindotter und Saflor sind einige Beispiele. Damit können interessante technische Öle oder Speiseöl gewonnen werden.
Krambe
Krambe (latein Crambe abyssinica) ist eine einjährige, wenig anspruchsvolle lose und trockenheitstolerante Ölpflanze aus der Familie der Kreuzblütler (wie Raps). Sie stammt , die aus dem Mittelmeerraum stammt. Krambe ist an unserem Klima gut angepasst und hat eine kurze Vegetationszeit. Er erreicht Beinach der Saat im März erreicht sie die Druschreife Ende Juli. Krankheiten und Schädlinge sind befallen den Krambe kaum ein Problem. Gemäss ausländischen Angaben sollen Erträge bis 40 dt/ha sollen möglich sein. Inm Zürich-Reckenholz wurden lagen sie allerdings in den letzten zwei Jahren Samenerträge zwischen 8 und 27 dt/ha erhoben. Eine Optimierung kann erwartet werden.
In der EU sind Bestrebungen in Gange, 120000 Hektaren Krambe anzubauen. Dank demseinem sehr hohen Gehalt an Erucasäure stelltkönnte Krambe eine Alternative zum erucasäurereichen Raps dar, der im Ausland für industrielle Zwecken angebaut wird. In der Schweiz werden gegenwärtig nur 00-Rapssorten für die Produktion von Speiseöl und Rapsmethylester verwendet.n Ersatz für den 0-Raps darstellen, bei dem man diese Fettsäure weggezüchtet hat. Einsatzbereiche für Krambeöl bzw. Erucasäure finden im technischen Bereich zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten:sind Schmiermittel, Biodiesel, Schaumbremsen für synthetische Waschmitteln, Additive für Plastikfilmen und Nylon. Bei einem Samenertrag von 25 dt/ha könnten 6 dt/ha Erucasäure gewonnen werden. Dies liegt im Bereich der erucasäurereichen Rapssorten. Durch die niedrigeren Produktionskosten, es sind keine Fungizid- oder Insektizidspritzungen nötig, könnte die Produktion von Erucasäure mit Krambe rentabler werden.
Leindotter
Leindotter (Carmelina sativa) gehört ebenfalls zur Familie der Kreuzblütler. Leindotter war zusammen mit Mohn und Lein eine wichtige europäische Ölpflanze bis in die fünfziger Jahre. Zur Zeit wird sie in den osteurupäischen Ländern landwirtschaftlich genutzt. Leindotter ist einjährig und relativ resistent gegenüber Krankheiten, Schädlingen, Trockenheit und Frost. Eine Unkrautbekämpfung ist maschinell möglich. Die Ertragserwartung liegt bei 10 bis 28 dt/ha. In Zürich-Reckenholz wurden in den letzten zwei Jahren Erträge zwischen 5 und 21 dt/ha gemessen, wobei die nicht platzfesten Schoten zu relativ grossen Verlusten führten.
Der Ölgehalt von Leindotter liegt mit 42% hoch. Seine Qualität ist, ähnlich dem Leinöl, durch den hohen Gehalt an Linolen- und Eicosensäure geprägt. Die Verwendung dieser Ölpflanze ist deshalb beschränkt auf den technischen, aber zur Zeit wenig wirtschaftlichen Bereich, wie die Seifenherstellung.
Saflor
Saflor (Carthamus tinctorius) wird auch Färberdistel oder wilder Safran genannt. In seinen Namen kommt zudem die alte Verwendung zum Ausdruck. Die Blüten wurden zum Färben von Lebensmitteln und Textilien gebraucht. Heute wird Saflor als Samen- und Ölpflanze vor allem in Indien, Mexiko, Kanada sowie Spanien angebaut. Bei uns ist diese distelähnliche, zur Familie der Korbblütler gehörende, wärmeliebende Pflanze, anfällig für Graufäule und Sklerotinia. Die Ertragserwartung liegt zwischen 10 und 30 dt/ha Samen. In Zürich-Reckenholz konnten nur Samenerträge zwischen 4 und 16 dt/ha geerntet werden.
Die Ölqualität von Saflor ist, aufgrund des hohen Gehaltes an ungesättigten Fettsäuren (Linol), für die menschliche Ernährung hervorragend. Safloröl wird in Reformhäusern unter dem Namen Distelöl verkauft. Es ähnelt dem Sonnenblumenöl. Die Samen werden ebenfalls als Vogelfutter benutzt.
Ölgehalt sowie Fettsäurenzusammensetzung von Krambe, Leindotter und Saflor
Bewertung aus heutiger Sicht
Die Einführung einer neuen Ölpflanze ist mit vielen Hürden verbunden. Praxisreife, rentable Anbauverfahren insbesondere die Sortenwahl, der Pflanzenschutz und die Erntetechnik müssen noch entwickelt werden. Die Qualität muss den Anforderungen der Industrie genügen. Markt und Logistik müssen ebenfalls aufgebaut werden.
Aufgrund einer ersten Beurteilung scheinen Krambe für den technischen Bereich und Saflor als Speiseöl gute Chancen zu haben. Bevor man aber zum Praxisanbau schreitet, müssen die offenen Fragen im Rahmen von weiteren Untersuchungen geklärt und zusätzliche Erfahrungen gesammelt werden.
Tabelle. Ölgehalt sowie Zusammensetzung der wichtigsten Fettsäuren von Krambe, Leindotter und Saflor im Vergleich zu 0-Raps
| Ölpflanze |
Ertrags-erwartung |
Ölgehalt |
Fettsäuren (%) |
|||||
|
(dt/ha) |
(%) |
Öl |
Eicosen |
Eruca |
Linol |
Linolen |
gesättigt |
|
| Krambe |
30 |
38 |
15 |
4 |
60 |
10 |
5 |
6 |
| Leindotter |
20 |
42 |
16 |
15 |
3 |
15 |
35 |
8 |
| Saflor |
20 |
40 |
10 |
0 |
0 |
75 |
0 |
8 |
| 0-Raps |
35 |
40 |
60 |
2 |
0 |
14 |
10 |
8 |
Kopie A.Soldati