Öllein verliert an Anbaufläche

Im Ölfruchtanbau dominiert bundesweit der Winterraps. Die Sommerölfrüchte nehmen dagegen eher einen bescheidenen Umfang auf dem Acker ein. Dr. Winfried Jackisch von der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Nossen, erläutert die Anbauflächenentwicklung bei Öllein gestern und heute.




Der weitaus größte Anteil der Sommerölfrüchte stand in den letzten Jahren in den neuen Bundesländern. Während sich der Sommerraps auf einer annähernd konstanten Fläche von zirka 50 000 ha einpegelte, zeichneten sich in den letzten acht Jahren für die Sonnenblume und den Öllein unterschiedliche Entwicklungen ab. Nach einem kräftigen Hoch 1994, als der Anbau der Sonnenblume etwa 190 000 ha betrug, schrumpfte er anschließend kontinuierlich auf 32 500 ha. Die häufig zu verzeichnenden Unsicherheiten der Ernte in einzelnen Regionen, aber auch die stark schwankenden Erträge verursachten diesen Rückgang.
Öllein legte dagegen in den letzten vier Jahren im Anbauumfang erheblich zu. Wurden 1995 noch 53 504 ha angebaut, waren es 1999 schon 184 094 ha. Dafür gibt es mehrere Gründe. Öllein zählt nach den EU-Rahmenbedingungen nicht zu den Ölsaaten. Die Flächenbeihilfe unterlag damit nicht den Sanktionen beim Überschreiten der Ölsaaten-Garantiefläche. Trotz des im Vergleich zum Winterraps niedrigeren Ertragspotentials konnten durch die hohe Flächenbeihilfe und die niedrigen Kosten relativ gute Deckungsbeiträge gerade auf ertragsschwachen Standorten erzielt werden. Als die Erzeugerpreise 1998 auf über 40 DM / dt stiegen, entwickelte sich der Öllein sogar für ertragsstärkere Standorte zu einer wirtschaftlichen Alternative.

Nach den Agenda-Beschlüssen zur Nivellierung des Beihilfeniveaus wird der Öllein überproportional mit rückläufigen Flächenausgleichszahlungen im Vergleich zu Getreide, Leguminosen und Ölsaaten bedacht (Tabelle 1). Die Senkung der Beihilfe für Öllein in drei Jahresschritten auf das Niveau von Getreide wird zu einem starken Rückgang des Anbaus führen.
Tabelle 1: Flächenausgleichszahlungen (DM/ha) in Sachsen

Erntejahr

Öllein
Ölsaaten
Leguminosen
Getreide
1999
1281
1063
956
662
2000
1075
923
883
715
2001
922
817
883
768
2002
768
768
883
768

Die Rentabilität hängt von dem Ertragsniveau, den variablen Kosten, dem Erzeugerpreis und der Höhe der Flächenbeihilfe ab. Beim Öllein war insbesondere letztere anbauentscheidend. In der Tabelle 2 sind Ergebnisse von Modellrechnungen zu Deckungsbeiträgen bei einer vorgegebenen Staffelung der Kornerträge und davon abhängigen variablen Kosten gegenübergestellt. Ein Marktpreis von 30 DM/dt wurde angesetzt. Die Kalkulationen beziehen sich auf die Rahmenbedingungen in Sachsen in den Jahren 1999 bis 2002. Bei einem Ertrag von 20 dt/ha entspricht der Markterlös etwa den Kosten. Der Deckungsbeitrag ist in diesem Fall annähernd mit der Flächenbeihilfe identisch. Jedoch schon bei einem Ertrag von 15 dt/ha liegt der erwirtschaftete Markterlös um 120 DM/ha unter den variablen Kosten. Damit ist der Deckungsbeitrag um rund 120 DM/ha geringer als die Flächenbeihilfe. Bei einem Ertrag von 10 dt/ha wird nur noch ein Markterlös erzielt, der um 180 DM/ha unter den aufzubringenden variablen Kosten liegt. Daraus ergibt sich ein Deckungsbeitrag, der um 180 DM/ha geringer als die Flächenbeihilfe ist. Unabhängig vom Standort und dem Ertragsniveau, fällt der Deckungsbeitrag im Jahr 2000 um 206 DM/ha und in den nächsten beiden Jahren um jeweils weitere 153 DM/ha. Jeder Landwirt weiß, daß sich die Abnahme des Deckungsbeitrages um 513 DM/ha nicht über Kosteneinsparungen ausgleichen läßt. Andere Erzeugerpreise können selbstverständlich die Wirtschaftlichkeit beeinflussen.

Bei Preisen von beispielsweise 40 DM/dt würden sich die Deckungsbeiträge für die vorgegebenen Kornerträge um 100, 150 beziehungsweise 200 DM/ha erhöhen. Die Wirtschaftlichkeit des Ölleinanbaus nimmt jedoch immer proportional mit der Reduzierung der Flächenbeihilfe ab. Selbst Berufsoptimisten sehen keine Anzeichen für einen Anstieg des Erzeugerpreises auf 55 bis 65 DM/dt, der die Wirtschaftlichkeit wesentlich verbessern würde. Es ist abzusehen, daß auch die Produzenten in den ertragsschwachen Regionen spätestens ab dem Jahr 2002 den Ölleinanbau stark einschränken, da dann auch dort Getreide wirtschaftlich besser abschneidet. Weil für Öllein die Flächenbeihilfe gegenüber 1999 bereits in diesem Jahr um 206 DM/ha abnimmt und für Getreide um 53 DM/ha ansteigt, wirken diese Veränderungen unter den Rahmenbedingungen von Sachsen mit einem Nachteil von 259 DM/ha zuungunsten des Ölleins.

Tabelle 2: Deckungsbeiträge für Öllein (1999 bis 2002)
 
Ertragsniveau des Standortes
  Einheit
mittel-hoch
mittel
mitel-niedrig
Ertrag dt/ha
20
15
10
Marktpreis DM/dt
30
30
30
Markterlös DM/ha
600
450
300
variable Kosten DM/ha
610
570
480
Flächenbeihilfe:
 
1999 DM/ha
1281
1281
1281
2000 DM/ha
1075
1075
1075
2001 DM/ha
922
922
922
2002 DM/ha
768
768
768
Deckungsbeiträge:
 
1999 DM/ha
1271
1161
1101
2000 DM/ha
1065
955
895
2001 DM/ha
912
802
742
2002 DM/ha
758
648
588
Veränderung:
 
1999 zu 2002 DM/ha
-513
-513
-513

Vor einer Anbauentscheidung für Öllein zur Ernte dieses Jahres ist zu überprüfen, auf welchen Standorten der Öllein im Vergleich zu Getreide noch wirtschaftlich ist. Wie die Modellkalkulation zu Gleichgewichtserträgen von Öllein und Futtergetreide in Tabelle 3 zeigt, rechnet sich der Ölleinanbau bereits für das Jahr 2000 nur noch auf ertragsschwachen Standorten (weniger als 45 dt/ha Getreide).

Tabelle 3: Erzielung gleicher Deckungsbeiträge von Öllein und Getreide 2000
 
Futtergetreide Gleichgewichtsbetrag (dt/ha) bei einem Preis von
Kornertrag
dt/ha
Öllein Markterlös + Beihilfe
DM/ha
variable Kosten
DM/ha
Deckungsbeitrag
DM/ha
variable Kosten
DM/ha
18 DM/dt
20 DM/dt
5
1255
440
785
550
34
31
10
1375
480
885
580
42
38
15
1525
570
955
610
47
43
20
1675
610
1065
640
55
50
25
1825
640
1185
670
63
57
Kalkulation nach Rahmenbedingungen von Sachsen:
- Öllein: 30 DM/dt + 1075 DM/ha Flächenbeihilfe;
- Getreide: 715 DM/ha Flächenbeihilfe


Da das Ertragspotential von Öllein etwa 25 Prozent des Wintergetreides ausmacht, bringen Standorte, auf denen 20 dt/ha Öllein erzeugt werden in der Regel 75 bis 80 dt/ha Getreide. Standorte, auf denen 15 dt/ha Öllein zu erzielen sind, schaffen normalerweise 55 bis 60 dt/ha Getreide. Die berechneten Gleichgewichtserträge für Futtergetreide liegen für das skizzierte Ertragsniveau von Öllein beträchtlich unter den standorttypischen Wintergetreideerträgen. Daher ist Öllein auf den besseren Ackerbaustandorten bereits zum diesjährigen Anbau in der Wirtschaftlichkeit dem Getreide unterlegen. Für diese Standorte bieten sich beispielsweise Körnererbsen als sinnvolle Alternative.

Quelle: Bauernzeitung 8/2000