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Prinzipiell können
sowohl pflanzliche als auch tierische Produkte als nachwachsende Rohstoffe
bezeichnet werden. Gemeinsames Kriterium ist ihre Anwendung außerhalb
des Nahrungs- und Futtermittelsektors. Unter ökologischen Gesichtspunkten
ist die Nutzung pflanzlicher Rohstoffe vorzuziehen, da sie eine ausgeglichene
Kohlendioxidbilanz gewährleisten. Zudem besitzen Pflanzen im Gegensatz
zu Tieren die Fähigkeit, sämtliche notwendigen Substanzen mit Hilfe der
Energie des Sonnenlichts selbst herzustellen. So werden auf der Basis
von Kohlendioxid und Wasser in der Photosynthese einfache Kohlehydrate
und Reduktionsäquivalente gebildet, mit deren Hilfe hochmolekulare Kohlehydrate
(Stärke und Zellulose), Fette und Proteine synthetisiert werden. Diese
Biomoleküle ermöglichen es den Pflanzen zu wachsen, sie geben ihnen ihre
Form, fungieren als Energie- und Nährstoffspeicher und liefern die nötige
Stoffwechselenergie. Für die chemisch-technische Industrie stellen sie
potentielle Rohstoffe dar, die allerdings mit fossilen Rohstoffen konkurrieren,
für die bereits bewährte und kostengünstige Produktlinien vorhanden sind.
Pflanzen als Proteinlieferanten
Ausschließlich zur Proteingewinnung im chemisch-technischen
Bereich angebaute Pflanzen gibt es nicht, und es dürfte sie auch in Zukunft
kaum geben. Neben den Samen von proteinreichen Leguminosen (Lupine, Erbse,
Ackerbohne u.a.) sind auch die Samen typischer Ölpflanzen (wie Soja, Raps,
Sonnenblumen) reich an Protein. Ähnliches gilt für viele Stärkepflanzen
wie Weizen und Mais, die in ihren Samen ebenfalls Eiweiße gespeichert
haben (Tab. I; [1]).
Es
liegt daher nahe, das Synthesepotential dieser Pflanzen im Sinne einer
höheren Wertschöpfung vollständig auszunutzen und die bei der Öl- und
Stärkegewinnung anfallenden proteinreichen Rückstände industriell zu verwerten.
In Europa sind vor allem solche Pflanzen für die Proteingewinnung interessant,
die wie Raps, Sonnenblume, Weizen und Erbse bereits in großen Mengen angebaut
werden (Tab. II)oder wie Lupine und Ackerbohne eine europäische Alternative
zur hauptsächlich in den USA kultivierten Sojabohne darstellen. Die Forschungs-
und Entwicklungsarbeiten in Deutschland konzentrieren sich vorwiegend
auf die Verwertung von Proteinen aus Raps und Weizen.

Gewinnung pflanzlicher Proteine
Zur Extraktion von Proteinen werden die Samen der verwendeten
Pflanzen geschält, trocken gemahlen und mit Wasser versetzt. Wenn, wie
im Falle von Raps, Soja und Sonnenblume, der Samen zur Ölgewinnung ausgepreßt
wird, kann man auch den proteinhaltigen Preßkuchen (bzw. das Extraktionsschrot)
nach dem Trocknen mit Wasser versetzen. Im weiteren Verfahren wird der
Einfluß des pH-Wertes auf die Löslichkeit der Proteine ausgenutzt. Bei
alkalischem pH-Wert (pH 8-10) geht der größte Teil der Proteine in Lösung,
durch eine gezielte Absenkung des pH-Wertes (auf pH 4,5) fallen sie schließlich
aus und können von der Flüssigkeit getrennt werden. Nach dem Neutralisieren
und Trocknen des proteinhaltigen Quarks enthält die Trockensubstanz (Isolat)
bis zu 90 Prozent Protein. Umgekehrt kann das Milieu der wäßrigen Lösung
auch so gewählt werden, daß nicht die Proteine, sondern andere Stoffe
in Lösung gehen und so von den Proteinen abgetrennt werden. Das so gewonnene
Konzentrat hat nach dem Trocknen immerhin noch einen Proteingehalt von
bis zu 70 Prozent. Beide Verfahren wurden zur Gewinnung von Proteinisolaten
und -konzentraten aus Sojabohnen optimiert und sind mit geringen Aufwand,
wenig Material und Kosten verbunden. Vor allem in Deutschland, aber auch
in anderen Ländern der EU, wird an der Optimierung daran angelehnter Verfahren
zur Isolierung von Rapsproteinen im industriellen Maßstab gearbeitet [2].
Zur Extraktion von Protein aus Weizen und anderen stärkehaltigen Pflanzen
wird das Mehl mit Wasser gemischt, so daß sich ein Teig bildet. Durch
schonende Behandlung mit Wasser wird die Stärke aus dem Teig gewaschen,
während das Protein zurückbleibt. Alternativ kann die Trennung auch durch
Zentrifugieren erfolgen. Beide Verfahren sind zur Gewinnung von Weizenprotein
in der Lebensmittelindustrie etabliert; nach der Trocknung ergibt sich
ein Proteinanteil von über 80 Prozent [3, 4].
Mit einigen Abweichungen lassen sich solche Verfahren auch auf die Proteingewinnung
aus anderen Pflanzen übertragen. Bei der Verfahrenswahl sowie der Wahl
von pH-Wert, Temperatur, Druck und Konzentration ist die spätere Anwendung
der extrahierten Proteine von Bedeutung. Ist man beispielsweise an der
Gewinnung von Proteinen mit natürlicher (nativer) Struktur interessiert,
so sind Extraktionstemperaturen unter 100°C anzuwenden, da anderenfalls
die Proteine denaturieren. Deshalb ist die Extraktion von Protein aus
den Rückständen der konventionellen Ölgewinnung problematisch, da hierfür
hohe Temperaturen nötig sind. Wird die Saat lediglich gepreßt, treten
kaum Denaturierungen auf. Dies gilt auch bei Kontakt mit organischen Lösungsmitteln.
Raps- und Weizenproteine
Um pflanzliche Proteine in der chemisch-technischen Industrie
optimal zu nutzen, müssen deren Strukturen und Eigenschaften genau bekannt
sein. Aus der Grundlagenforschung liegt zwar bereits einiges Wissen vor,
doch ist zur Optimierung der wenigen bestehenden und zur Entwicklung neuer
Produktlinien noch intensive Forschung notwendig. Im Folgenden soll nur
auf Raps- und Weizenprotein eingegangen werden, weil sie für den europäischen
Markt die größte Bedeutung haben.
Die Samen von Raps enthalten vorwiegend zwei Proteinfraktionen, nämlich
das Globulin Cruziferin und das Albumin Napin, mit bis zu 50 beziehungsweise
40 Prozent Anteil am gesamten Samenprotein. Cruziferin ist ein Oligomer
mit einer relativen Molekülmasse von 360 kDa, dessen 6 Untereinheiten
aus je einer sauren, hydrophilen und einer basischen, hydrophoben Polypeptidkette
bestehen. Die beiden Ketten sind über 2 Disulfidbrücken sowie nichtkovalente
Bindungen miteinander verknüpft. Da die hydrophobe Kette im Inneren des
Moleküls liegt, ist Cruziferin im Gegensatz zu den meisten Globulinen
in wäßrigen Medien löslich. Die Albumine in Rapssamen besitzen eine relative
Molekülmasse von 12 bis kDa. Das vorherrschende Albumin Napin ist stark
basisch und über einen weiten pH-Bereich in wäßrigen Medien löslich. Disulfidbrücken
gewährleisten eine kompakte Struktur [2].
Die Hauptproteinfraktion von Weizen ist das äußerst viskos-elastische,
wasserunlösliche Gluten, das wiederum aus zwei Fraktionen besteht, dem
Glutenin (44%)und und Gliadin (56%). Glutenin ist die elastische Komponente
des Weizenglutens mit hoch- (80-120 kDa) und niedermolekularen (35-60
kDa) Anteilen, die über Disulfidbrücken und nichtkovalente Bindungen zu
Polymeren aggregiert sind. Deren relative Molekülmassen gehen in die Millionen.
Die niedermolekularen Gliadine bilden den viskosen Anteil des Glutens,
in das sie über nichtkovalente Wechselwirkungen eingebettet sind. Im Gegensatz
zum Glutenin sind sie durch Ethanol und andere organische Lösungsmittel
aus dem Gluten extrahierbar [4].
Funktionalität und Modifizierung pflanzlicher Proteine
Die funktionellen Eigenschaften von Proteinen hängen im
Wesentlichen von deren Tertiär- und Quartärsturktur sowie deren Ladungszustand
ab. Dabei sind verschiedene Faktoren für die Verwendbarkeit von pflanzlichen
Proteinen im chemisch-technischen Bereich von Bedeutung. Der amphotere
Charakter vieler pflanzlicher Proteine (d.h. sie haben Säure- und Baseneigenschaften)
bedingt deren Löslichkeitseigenschaften, der amphipathische Charakter
(d.h. sie haben zwei funktionelle Teilbereiche) ermöglicht Wechselwirkungen
sowohl mit hydrophilen als auch mit hydrophoben Molekülen. Pflanzliche
Proteine sind im Vergleich zu tierischen eher globulär aufgebaut und zeigen
eine gleichmäßigere Verteilung polarer Seitenketten, weshalb sie eher
Komplexe mit gleichsinnig geladenen Substanzen bilden können, wie beispielsweise
Polyanionen. Zudem haben die meisten pflanzlichen Speicherproteine hohe
relative Molekülmassen und zeigen vielfältige Möglichkeiten der Vernetzung,
was ihnen klebende Eigenschaften verleiht.
Für viele Anwendungen kann nicht das extrahierte "Naturprodukt" genutzt
werden, sondern es ist nötig, die bestehenden Eigenschaften entsprechend
der späteren Anwendung zu modifizieren. Hierfür stehen vielfältige chemische,
enzymatische sowie physikalische Techniken zur Verfügung, wobei bei der
Wahl der Methode auch verfahrenstechnische Aspekte in Betracht zu ziehen
sind. Physikalische Modifizierungen sind am billigsten und ermöglichen
die mechanische Auflösung beziehungsweise Beeinträchtigung der nativen
Proteinstruktur. Chemische Modifizierungen sind abhängig von der Anzahl,
Reaktivität und Zugänglichkeit modifizierbarer Seitengruppen, der Größe
der modifizierenden Gruppe sowie vom verwendeten Reaktionsmedium. Enzymatische
Modifizierungen sind sehr teuer, zeichnen sich jedoch durch eine hohe
Spezifität aus. Änderungen in den funktionellen Eigenschaften von Proteinen
können durch Modifizierung der Struktur (z.B. Denaturierung durch Hitze,
Druck), der Größe (z.B. durch Proteolyse, Cross-linking), der Ladung (z.B.
durch Acylierung, Deaminierung) oder der Reaktivität (z.B. Einführung
hydrophiler oder hydrophober Gruppen) erfolgen [4, 5]. Die Modifizierungen
können in den Extraktionsverlauf integriert werden, sie sind aber auch
nach der Proteinextraktion möglich [2].
Kleines Produktsortiment
Bereits seit Anfang des Jahrhunderts werden Proteine als
Grundstoff für den chemisch-technischen Bereich eingesetzt, doch ist die
Forschung in diesem Bereich mit dem Aufkommen der Petrochemie fast vollständig
zum Erliegen gekommen. Folglich werden Proteine nur in geringem Umfang
genutzt, und das Produktsortiment ist entsprechend klein (Tab. III).
Bislang wichtigstes industriell eingesetztes Protein aus Pflanzen ist
Sojaprotein, von dem 1990 weltweit etwa 95 000 Tonnen gewonnen wurden
(Tab. IV). Die USA waren und sind noch heute der Spitzenproduzent mit
etwa 70 000 Tonnen jährlich, wovon 35 000 Tonnen zur Herstellung von Papier
und Verpackungen verwendet werden. Oberflächenbeschichtungen mit Sojaprotein-Isolaten
als Bindemittel beeinflussen unter anderem die Bedruckbarkeit und die
mechanische Belastbarkeit von Papier sowie die Haftung der wasserlöslichen
Druckfarbe. Da sich Papiere und Verpackungen besser recyclen lassen, wenn
sie mit Protein statt mit synthetischen Stoffen beschichtet sind, werden
die Forschungen auf diesem Gebiet seit einiger Zeit intensiviert. Als
Grundstoff für Beschichtungen sowie für Leime und Kleber findet außerdem
Weizengluten Verwendung, von dem als Nebenprodukt der Stärkegewinnung
weltweit pro Jahr etwa 450 000 Tonnen anfallen [4, 5, 6].

Auch Proteine tierischen Ursprungs sind im chemisch-technischen
Bereich von Bedeutung. Vor allem in Europa wurde seit jeher das Milchprotein
Casein statt dem in den USA verwendeten Sojaprotein als Bindemittel für
Papierbeschichtungen genutzt, das sich außerdem für die Herstellung von
Etikettierklebstoffen, Leimen und Lederdeckfarben eignet. Der Einsatz
von Casein ist jedoch in diesen Sparten infolge der Konkurrenz petrochemischer
Produkte weltweit unter 5 000 Tonnen pro Jahr gesunken. Eine wichtige
Rolle spielt hingegen Kollagen, ein faseriges, wasserunlösliches Gerüstprotein
aus Haut, Knorpel und Sehnen, das aus Gerbereiabfällen stammt und daher
kaum Kosten verursacht. Kollagen wird in der Kosmetikindustrie zur Stabilisierung
von Wasser-Fett-Emulsionen eingesetzt. Durch thermische Denaturierung
wird aus ihm Gelatine hergestellt, die zur Produktion von Klebern und
Leimen Anwendung finden [6, 7].

Zukunft für pflanzliche Proteine
Der niedrige Forschungs- und Entwicklungsstand zum Einsatz
pflanzlicher Proteine erschwert es, mögliche Marktchancen für eine Anwendungen
abzuschätzen. Prognosen beruhen entweder auf Überlegungen, bestehende
Produkte mit nachteiligen Eigenschaften zu ersetzen und mögliche Nischenmärkte
zu erschließen oder auf Erfahrungen mit tierischen Proteinen, die man
auf pflanzliche Proteine zu übertragen versucht.
Pflanzliche Proteine kommen als Ersatz für gesundheitsschädliche Bindemittel
auf Harnstoff- und Phenol-Formaldehyd-Basis in Frage, wie sie in der Holzindustrie
unter anderem bei der Herstellung von Sperrholz eingesetzt werden. Allein
in den USA wären 1,4 Millionen Tonnen solcher Bindemittel pro Jahr zu
ersetzen - ein großes Potential für pflanzliche Proteine [5].
Ein interessanter Nischenmarkt für die technische Anwendung ist die Einkapselung
von Pharmazeutika, Agrochemikalien und anderer Wirkstoffe. Durch Modifizierungen
der Proteinstruktur kann die Abbaubarkeit der Proteinkapsel variiert und
damit die Freisetzung der eingeschlossenen Substanzen kontrolliert werden
[5].
Neu ist auch die Entwicklung von Kunststoffen und Tensiden unter Verwendung
pflanzlicher Proteine. Dabei ist wegen der Verfügbarkeit auf dem europäischen
Markt hauptsächlich Protein aus Raps und Weizen von Interesse. Für die
Kunststoffherstellung liegen bereits Erfahrungen mit tierischen Proteinen
vor: Das Milchprotein Casein läßt sich ähnlich den auf Rohölbasis gewonnenen
Kunststoffpolymeren Polyethylen und Polypropylen thermoplastisch aufschließen,
es erweicht und fließt unter Druck und Hitze. Voraussetzung für die Plastifizierung
sind Weichmacher, die der Polymermatrix hinzugefügt werden und eine Kunststoffproduktion
bei niedrigen Temperaturen ermöglichen [7]. Entsprechende Verfahren wurden
inzwischen auch für Sojaprotein entwickelt. Sie dürften sich wegen der
strukturellen Ähnlichkeiten auch auf Rapsprotein übertragen lassen, womit
pflanzliches Protein für den im Wachstum befindlichen Markt biologisch
abbaubarer Kunststoffe immer interessanter würde. Allerdings konkurriert
pflanzliches Protein mit anderen Biopolymeren wie Stärke und biotechnologisch
gewonnenen Kunststoffen wie Polyhydroxybuttersäure.
Als Bestandteil biologischer Verbundstoffe mit Polysacchariden, wie sie
unter anderem bei der Entwicklung neuer Transplantat- und Implantatmaterialien
zum Einsatz kommen, dürften pflanzliche Proteine auch in Zukunft kaum
eine Rolle spielen. Hierfür hat Kollagen günstigere Eigenschaften, insbesondere
zeigt es nur geringe oder gar keine antigene Wirkung.
Tierisches contra pflanzliches Protein
Für chemisch-technische Zwecke verwertbares Protein kann
sowohl tierischen als auch pflanzlichen Ursprungs sein. Tierisches wie
pflanzliches Protein sind prinzipiell biologisch abbaubar, nachwachsend
und in großen Mengen verfügbar. Eine Bilanzierung unter ökologischen Gesichtspunkten
spricht allerdings eindeutig für die Verwertung pflanzlichen Proteins,
denn letztlich sind alle tierischen Proteine pflanzlichen Ursprungs. Tiere
bauen die aufgenommenen pflanzlichen Proteine bis zu den Aminosäurebausteinen
ab und schleusen diese in den eigenen Proteinaufbau ein. Der Wirkungsgrad
dieses Ab- und Wiederaufbaus liegt unter 5 Prozent, ist also energetisch
sehr ungünstig [7]. Außerdem bietet die Nutzung von pflanzlichen Rohstoffen
eine ausgewogene Kohlendioxidbilanz. Andererseits fallen manche tierischen
Proteine als billige Abfallprodukte an, wie das in der Kosmetikindustrie
genutzte Kollagen. Es durch pflanzliches Protein ersetzten zu wollen,
wäre in diesem Fall ökonomisch und ökologisch nicht sinnvoll.
Ökonomische Betrachtungen und Perspektiven
Die Gewinnung industriell einsetzbarer Proteine aus Pflanzen
kostet heute etwa genauso viel wie die petrochemische Herstellung, sie
ist zum Teil sogar günstiger (Tab. V). Soja- und Erbsenprotein sind beispielsweise
auf dem Weltmarkt etwa gleich teuer wie die synthetischen Polymere Polyvinylacetat
und Polyvinylalkohol, das Weizenprotein Gluten ist sogar weitaus billiger
[5, 6]. Solche Preisvergleiche sind allerdings problematisch und eigentlich
nur zulässig, wenn mit den verglichenen Grundstoffen oder über deren chemisch-technische
Umwandlungsprodukte auch die gleiche Produktpalette erreichbar ist. Insbesondere
auf dem Sektor der Polymere sind für Preisvergleiche auch andere pflanzliche
Produkte interessant. Pflanzliche Biopolymere wie Stärke und Zellulose
sind billiger als pflanzliche Proteine. Aufgrund von Überschneidungen
mit der Produktpalette von Stärke und Zellulose besteht direkte Konkurrenz.
Die Verwendung pflanzlicher Proteine hängt
in diesen Fällen von funktionellen Eigenschaften ab.

Da Produktlinien auf petrochemischer Basis seit langem etabliert sind,
hat die Industrie bisher wenig Interesse gezeigt, auf dem Sektor pflanzliche
Proteine als Grundstoffe für chemisch-technische Anwendungen zu forschen.
Allerdings dürfte die Motivation von Unternehmen mit wachsendem Druck
der öffentlichen Meinung zunehmen, zumal Tenside, technische Polymere
und Beschichtungen auf Basis pflanzlicher Proteine potentiell biologische
Abbaubarkeit gewähren. Dies gilt natürlich auch für andere Grundstoffe
aus Rohstoffpflanzen wie Stärke, Zellulose, Fette und Öle. Massenmärkte
dürften sich auf diesem Sektor allerdings nicht auftun. Beispielsweise
stößt der seit Jahren in Deutschland geförderte und intensivierte Rapsanbau
zur Gewinnung des als Biodiesel bezeichneten Rapsölmethylesters an Grenzen.
Es ist ökologisch gesehen bedenklich und auch nicht praktikabel, Raps
in derart großen Mengen anzubauen, um sämtliche Dieselmotoren mit Biodiesel
zu betreiben. Hingegen ist es sinnvoll, Rapsöl in ökologisch sensiblen
Bereichen einzusetzen, beispielsweise als Kraft- und Schmierstoff in der
Land- und Forstwirtschaft. Im Zusammenhang mit der Nutzung anderer pflanzlicher
Rohstoffe sind auch die Marktchancen für die Verwertung pflanzlicher Proteine
zu sehen. Unternehmen, die bereits Produkte auf Basis nachwachsender Rohstoffe
herstellen, dürften zur Erzielung einer höheren Wertschöpfung daran interessiert
sein, Proteinrückstände zu nutzen, die bei der Gewinnung von Stärke und
pflanzlichem Öl ohnehin anfallen.
Der überwiegende Teil der Forschungs- und Entwicklungsarbeit wird zur
Zeit noch von der öffentlichen Hand finanziert. Über die Fachagentur Nachwachsende
Rohstoffe (FNR) fördert das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft
und Forsten (BML) seit 1993 verschiedene Projekte zur Nutzung pflanzlicher
Proteine, von denen 5 bis Mitte 1998 abgeschlossen waren, 2 inzwischen
abgelaufen sind und 6 weitere derzeit bearbeitet werden. Allerdings belief
sich im Zeitraum 1993-1996 der Anteil der dafür aufgewendeten Fördermittel
auf gerade einmal 1 Prozent des Mittelvolumens der FNR, 1997/1998 waren
es 2 Prozent (Tab. VI).

Der
Schwerpunkt liegt auf der Gewinnung und Verwertung von Proteinen aus Raps
und Weizen, jedoch dürften sich die Ergebnisse und Erfahrungen auch auf
andere Pflanzen übertragen lassen. Für die Zukunft zeichnen sich zwei
Forschungsschwerpunkte ab: das Synthesepotential von Pflanzen für die
Rohstoffgewinnung besser auszunutzen und die Produktpalette für pflanzliche
Proteine in der chemisch-technischen Industrie zu erweitern.
Literatur
[1] W. Franke: Nutzpflanzenkunde, 6. Aufl., Georg Thieme
Verlag. Stuttgart 1997.
[2] T. Luck, A. Borcherding: Abschlußbericht: Untersuchungen zum technischen
Einsatzpotential pflanzlicher Proteine aus entfettetem Raps als Rohstoff
für technische Nutzungen (Förderkennzeichen 95 NR 101-F). Verbundvorhaben:
Technischer Raps. Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung.
Freising 1998.
[3] J. A. Bietz, G. L. Lookhart, Cereal Foods World 41, 376 (1996).
[4] W. Bergthaller: New uses of wheat gluten and non-starch wheat components.
Proceedings of the International Wheat Quality Conference 1997. In : Steele
J.L. und Chung O.K. (Hrsg.): Grain Industry Alliance. Manhattan/KS 1997.
[5] J. T. P. Derksen, J. M. Vereijken, P. Kolster (1996): Biopolymers
for technical applications: the versatility of proteins. In: H. Eierdanz
(Hrsg.): Perspektiven nachwachsender Rohstoffe in der Chemie, VCH, Weinheim
1996.
[6] T. Luck, A. Borcherding: Abschlußbericht: Evaluierung der technischen
Verwertungsmöglichkeiten für die Nebenprodukte der Ölerzeugung aus Raps
(Förderkennzeichen 10618 A). Verbundvorhaben: Kraftstoff aus Raps. Fraunhofer-Institut
für Verfahrenstechnik und Verpackung. Freising 1994.
[7] A. Borcherding, T. Luck: Pflanzliche Proteine für technische Anwendungen.
In: von Weizsäcker E.U. (Hrsg.): Mensch, Umwelt, Wirtschaft. Spektrum
Akademischer Verlag. Heidelberg 1995.
Informationen aus dem Internet über Rohstoffpflanzen und Nachwachsende
Rohstoffe:
Informationen über die Arten: http://www.agrinf.agrar.tu-muenchen.de/zw/arten/
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe: http://www.fnr.de
Informationssystem Nachwachsende Rohstoffe: http://www.inaro.de/
Verband der Chemischen Industrie: http://www.vci.de/InternetBase.asp?mod=6
Glossar Proteine:
Globuline Sammelbezeichnung
für höhermolekulare Proteine, die in reinem Wasser nicht oder nur schwer
löslich , in Salzlösungen hingegen gut löslich sind. Unter diese rein
operationale Bezeichnung fällt eine Vielzahl strukturell und funktionell
unterschiedlicher Proteine in nahezu allen Zell- und Gewebetypen von Mikroorganismen,
Pflanzen und Tieren (inklusive des Menschen). Beispiele: Prothrombin,
Fibrinogen und Immunglobuline im Blutplasma, Cruziferin aus Raps, Glycinin
und ß-Conglycinin aus Soja.
Albumine Sammelbezeichnung für wasserlösliche Proteine aus Körperflüssigkeiten
und Pflanzensamen. Im Gegensatz zu Globulinen, die stark glycolisiert
sein können, sind die Albumine kohlenhydratfrei. Beispiele: Serumalbumin
im Blutserum, Lactalbumin aus der Milch, Legumelin aus Leguminosen, Napin
aus Raps.
Prolamine Gruppe von Proteinen, die nur in Getreide vorkommen.
Beispiele: Zein aus Mais, Hordein aus Gerste, Gliadin aus Weizen und Roggen
(bildet zusammen mit Glutenin das als Klebereiweiß bezeichnete Gluten).
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