K. Scharmer
G. Golbs
GET - Gesellschaft für Entwicklungstechnologien mbH
Karl-Heinz-Beckurts-Str. 13
D-52428 Jülich
Das BIODIESEL-Szenarium
Ökobilanz
K. Scharmer Das BIODIESEL-Szenarium Die
Datenbasis zur Berechnung dieses Szenariums stammt für fossile Energieträger
aus der Analyse des Lebenszyklus fossiler Energieträger. Gleiches gilt
für die in der Produktion eingesetzten Hilfsstoffe wie Düngemittel,
Pestizide, Herbizide, landwirtschaftliche Maschinen, die Prozesse der
Ölmühle sowie der Umesterung.
Die Diskussion um die Emission von Klimagasen durch die Landwirtschaft konzentriert sich primär auf die Frage: Wieviel Lachgas wird bei der Zersetzung der für den Rapsanbau benötigten vergleichsweise großen Mengen an Stickstoffdünger emittiert? Lachgas gilt als starkes Klimagift. Im Vergleich zu CO2 ist es bei der Unterstellung von 100 Jahren Lebensdauer in der Atmosphäre 310 mal aktiver. In der Vergangenheit wurden umfangreiche Messungen in Frankreich und Deutschland durchgeführt, bei denen die tatsächliche Situation über Rapsfeldern analysiert wurde. Es konnte nicht nachgewiesen werden, dass Lachgasemissionen über Rapsfeldern statistisch signifikant stärker sind als über anderer Vegetation. Ebenfalls ist es bislang nicht gelungen, einen direkten Zusammenhang zwischen der Höhe der Lachgasemission und der Menge des verwendeten Düngers nachzuweisen. Aus diesem Grunde wurden weiterhin die Literaturwerte von Bouwman /3/ verwendet. Hiernach soll für die in Europa verwendeten Stickstoffdünger etwa 0,3 % der aufgebrachten Stickstoffmenge in Form von N2O in die Atmosphäre gehen. Um auf der sicheren Seite zu bleiben, wurden in der Untersuchung 0,4 % angenommen. Damit errechnet sich der N2O-Beitrag zu 1,94 kg CO2eq/kg Stickstoffdünger. IIn einer neueren Veröffentlichung /2/ gibt Reinhardt und Mitarbeiter Zahlen zur N2O-Emission an, die sich an die 1993 in der UBA-Studie verwendeten Werte anlehnen. Diese konnten jedoch bislang in keinem experimentellen Programm, bei dem tatsächlich über Rapsfeldern auftretende N2O-Emissionen gemessen wurden, in dieser Größenordnung nachgewiesen werden. Dennoch wird in dieser Publikation bei dem dort diskutierten "Standardszenarium" 1,25 % N2O-N als klima-wirksame Emission für Stickstoffdüngung angenommen. In dem Maximalszenarium werden sogar 3 % unterstellt. Zusätzlich werden bisher messtechnisch nicht nachgewiesene Emissionen aus der Düngemittelfabrikation unterstellt, wobei nach Patyk und Reinhardt /1/ mit 15,09 kg N2O-Emissionen pro Tonne produziertem Dünger gerechnet wird /4/ . Bei den folgenden Abschätzungen werden diese spekulativen Annahmen nicht weiter verfolgt. Um die unterschiedlichen Gepflogenheiten in der europäischen Landwirtschaft möglichst gut wiedergeben zu können, wurden aus den drei Hauptanbaugebieten für Raps, das sind
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Diese Zahlen erlauben es, die wichtigsten charakteristischen Größen für den Gesamtprozess aufzustellen, nämlich das Verhältnis der während der gesamten Herstellung verbrauchten Primärenergieträger zur insgesamt in den Produkten enthaltenen Energie (Input : Output). Das
Verhältnis Energiegewinn zu Energieaufwendungen reicht von 2,277 (Großbritannien)
bis 2,96 (Schleswig-Holstein) mit großen Verarbeitungskapazitäten. Die Verteilung der Energie und Emissionen auf die drei Produkte ist in Tabelle 1 dargestellt, wobei Energieinhalt jeweils der spezifische untere Heizwert des Produktes bedeutet, die Energieaufwendungen der Anteil ist, der von den Gesamtaufwendungen dem jeweiligen Produkt zuzurechnen ist und entsprechend für die Klimagasemissionen ebenfalls der produktspezifische Anteil, nach dem gleichen Aufteilungsmodus ermittelt. Tabelle 1: Energieeinsatz und Emissionen für die BIODIESEL-Kette (Fallstudie Schleswig-Holstein) |
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| Energiegehalt MJ |
Energieaufwendung MJ |
Klimagasemission kg CO2eq |
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| 1 kg BIODIESEL | 37,1 | 15,73 | 0,748 |
| 1 kg Rapsschrot | 16,36 | 4,38 | 0,258 |
| 1 kg Glyzerin | 17,0 | 7,22 | 0,343 |
Vergleich der beiden SzenarienDie Ergebnisse der oben dargestellten Berechnungen sind in Tabelle 2 zusammengefaßt, wobei die Gesamtbreite der einzelnen Fallstudien angegeben ist.
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| Produkt | Energie- aufwendungen (MJ) |
Klimagasemission (kg CO2eq) |
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| 1 kg BIODIESEL | 16,85 + 1,5 | 0,807 + 0,1 | (0,938 + 0,1)* | |
| 1 kg Rapsschrot | 4,88 + 0,9 | 0,285 + 0,05 | (0,345 + 0,05)* | |
| 1 kg Glyzerin aus Umesterung | 7,48 + 1,5 | 0,358 + 0,08 | (0,416 + 0,08)* | |
| 1 kg Fossiler Dieselkraftstoff | 50,60 | 3,763 | ||
| 1 kg Sojaschrot | 3,676 | 0,355 | (0,507)** | |
| 1 kg Synthetisches Glyzerin | 209,3 | 8,984 | ||
| 1 ha Stillegungsland | 2.512 | 173 | ||
| *einschließlich
N2O-Emissionen durch Stickstoffdünger ** berücksichtigt die N2O-Emissionen von Sojafeldern |
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Dieser Szenarienvergleich ist in Abbildung 2 dargestellt.
Abbildung 2: Der Szenarienvergleich bezogen auf die mittlere Hektarproduktion
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Solarenergie
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| 16,7 GJ 1,123 kg CO2 eq |
EU
Landwirtschaft |
1
ha
1 ha |
Flächen-
stilllegung |
2,5
GJ
173 kg CO2 eq |
Grünbrache | |
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Rapssaat
|
3,5
t
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| 6,1 GJ 325 kg CO2 eq |
Ölmühle
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2,073
t
1,455 t |
Sojaschrot
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5,3
GJ
516 kg CO2 eq |
Herstellung und Transport | |
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Öl
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Schrot |
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| 6,6 GJ 261 kg CO2 eq |
Umesterung
Glycerin RME |
0,123
t
0,123 t |
Synthetisches
Glycerin
|
26,7
GJ
1,106 kg CO2 eq |
Glycerin-Synthese Fossile Ressourcen |
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Biodiesel
|
1,320
t
1,149 t |
Diesel
aus Erdöl
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66,1
GJ
4,324 kg CO2 eq |
Fossile
Resourcen Herstellung |
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BIODIESEL-
Szenarium
33,3 GJ
1,701 kg CO2eq |
Fossiles
Szenaruim
91,6 GJ
16,116 kg CO2eq |
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| Quelle: UFOP | ||||||
Referenzszenarium:
BIODIESEL-Szenarium:
Hierbei unterstellen wir, dass EU-weit im Jahre 2000 ca. 606.000 ha Ackerland für die Erzeugung von BIODIESEL verwendet werden und dass auf dieser Landfläche insgesamt 800.000 t/a BIODIESEL erzeugt werden können. Diese 800.000 t BIODIESEL können - bezogen auf gleichen Heizwert - 695.000 t oder 824 Mio. l fossilen Dieselkraftstoff ersetzen. Aus der prozessbedingten Gesamtmaterial-Bilanz ergeben sich dann die übrigen Werte, die in den folgenden zwei Tabellen 3 und 4 aufgeführt sind.
| Produkt | Fossile
Energie- aufwendungen (TJ) |
Klimagas- emission (Mt CO2eq) |
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| 824 MI Fossiler Dieselkraftstoff (695.000 t) |
35.167 | 2,615 | |
| 882.000 t Sojaschrot | 3.242 | 0,313
(0,447)* |
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| 74.500 t Synthetisches Glyzerin | 15.593 | 0,669 | |
| 606.000 ha Stillegungsland | 1.522 | 0,105 | |
| TOTAL | 55.524 | 3,702
(3,836)* |
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| * berücksichtigt die N2O-Emissionen von Sojabohnen-Feldern | |||
| Produkt | Fossile
Energie- aufwendungen (TJ) |
Klimagas- emission (Mt CO2eq) |
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| 909 MI BIODIESEL (800.000 t) |
13.480 | 0,646
(0,750)* |
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| 1.256.000 t Rapsschrot | 6.129 | 0,358
(0,433)* |
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| 74.500 t Glyzerin | 557 | 0,027
(0,031) |
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| TOTAL | 20.166 | 1,031 (1,214) |
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| * Werte in Klammmern berücksichtigen N2O-Emissionen aus Stickstoffdünger | |||
| Einsparung fossiler Energieträger beim BIODIESEL-Szenarium: | 35.358 TJ europaweit |
| oder für jeden Liter Fossildiesel, der durch BIODIESEL ersetzt wird: | 42,9 MJ/l |
| Die Einsparungen an Klimagasemissionen betragen: | 2,67 Mt CO2eq (2,62 Mt CO2eq) |
| oder für jeden Liter Fossildiesel, der durch BIODIESEL ersetzt wird: | 3,24 kg CO2eq (3,18 kg CO2eq) |
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Umrechnungen
zu Abb. 1
Champagne Crayeuse, Ölmühle Robbe, IFP-Prozess für Umesterung 1 ha Ackerfläche liefert pro Jahr:
Zuordnung der Energieaufwendungen und CO2-Emissionen nach Energiertrag der Produkte: - nach der Ölmühle anteilig
- nach der Umesterung anteilig
BIODIESEL/fossiler Diesel: Wegen der Unterschiede in den spezifischen Heizwerten und Dichten gilt
Abkürzungsverzeichnis
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