Die Heizung auf Holz umstellen

Die Preise für Heizöl und Gas sind in letzter Zeit stark gestiegen. Aus diesen und aus ökologischen Gründen gewinnt die Energieerzeugung aus Holz wieder an Bedeutung. Dr. Armin Vetter von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, Dornburg, berichtet.

Jährlich wachsen in deutschen Wäldern zirka 7 m³/ha Holz dazu. Davon werden zur Zeit nur etwa 50 Prozent genutzt, wodurch der Holzvorrat stetig zunimmt.
Bei einem angestrebten stärkeren Gebrauch von Stammholz für die Sägeindustrie fallen zusätzliche Potentiale an Waldrestholz an. Das Kronenholz sowie das bei einer ordnungsgemäßen Waldbewirtschaftung anteilig zur Verfügung stehende Durchforstungsholz sollten zunehmend energetisch genutzt werden. Reisig und Schwachholz (unter 7 cm) sind aus ökologischen Gründen im Wald zu belassen, um die Mineralstoffentzüge zu minimieren. Die Rückführung der Holzverbrennungsüberreste (Aschen) in das Ökosystem Wald schließt weitgehend den Mineralstoffkreislauf.
Moderne Verbrennungsverfahren für Holz haben heute einen Wirkungsgrad erreicht, der nahe an Öl- und Gasheizungen herankommt. Die im Bundesimmissionsschutzgesetz und seinen Verordnungen festgesetzten Grenzwerte für Schadstoffemissionen können in guten Anlagen bis zu 50 Prozent unterschritten werden. Eine moderne Holzfeuerung entspricht somit höchsten ökologischen Standards. Die Europäische Union hat in ihrem Weißbuch den Stellenwert der Bioenergie verdeutlicht. Das Ziel, im Jahr 2010 zwölf Prozent des Energieverbrauchs aus erneuerbaren Energien bereitzustellen, soll zu 70 Prozent durch die energetische Nutzung von Biomasse realisiert werden. Aufgrund der vorhandenen Potentiale und der bereits weit entwickelten Verbrennungstechnologie liegt der Schwerpunkt bei der energetischen Nutzung von Holz.

Ökonomische Aspekte

Neben den ökologischen Erwägungen ist die Holzheizung daher auch ökonomisch eine interessante Alternative und Ergänzung zur Öl- und Gasheizung. Bei der Planung sollten drei Gesichtspunkte verstärkt beachtet werden: Die Form des Brennstoffs, die Technik und der Standort. Alle drei Faktoren sind gleichwertig zu behandeln. Sie sind entscheidend für die Funktionssicherheit und die Wirtschaftlichkeit einer Anlage.

Holz ist nicht gleich Holz

Alle biogenen Brennstoffe haben bezogen auf die Masse einen sehr hohen Heizwert. Als Faustregel kann gelten: 2,5 kg absolut trockene Biomasse (atro) entsprechen 1 Liter Heizöl. Die Lagerungsdichte ist allerdings bedeutend geringer als bei Öl. Als Faustzahlen für ihre Berechnung können folgende Anhaltswerte dienen:

1 t Fichte (20 Prozent Wassergehalt) = 2,1 Festmeter (fm) = 3,2 Raummeter (rm) = 5,9 Schüttraummesser (Srm)

1 t Buche (20 Prozent Wassergehalt) = 1,4 fm = 2,1 rm = 3,9 Srm.

Diese vom Forst verwendeten Raummaße sind bei der Preisfindung zu beachten. Besonderes Augenmerk ist auf den Wassergehalt zu legen. Frisches Waldholz hat einen Wassergehalt von zirka 50 Prozent. Für die Trocknung auf weniger als 30 Prozent Wassergehalt ist ein Zeitraum von fünf bis sechs Monaten zu veranschlagen. Bei der Produktion von Scheitholz sollte das Holz sofort nach dem Einschlagen gespalten werden und als Scheite nachtrocknen.
Für die Hackgutproduktion ist das Holz als Stangen, Kronen oder Meterstücke an Rückegassen oder Aufarbeitungsplätzen bis zur Verarbeitung nachzutrocknen.
Bei einem Preis von 1 DM/l Heizöl betragen die Brennstoffkosten für Holz in Abhängigkeit von Herkunft und Form somit nur 15 (Gebrauchtholz) bis 50 Prozent (Holzpellets) der Heizölkosten. Für den häuslichen Bereich ist eine Kostenreduktion zudem über die "Muskelhypothek" möglich,. Das heißt, statt Fitnessstudio besser Holzhacken. Agrarunternehmen sollten bei stärkerer Nachfrage, die vor allem auf dem Hackgutsektor zu erwarten ist, Möglichkeiten überdenken, den Brennstoff für das eigene Unternehmen bereitzustellen. Eine Zusammenarbeit mit den örtlichen Forstbetrieben zur Belieferung Dritter bietet zudem die Chance, das Arbeitskräftepotential der Landwirtschaft in den Wintermonaten besser auszuschöpfen und eine zusätzliche Einnahmequelle zu erschließen.
Eine Biomassefeuerungsanlage ist in der Regel teuerer als eine Öl- oder Gasheizung. Der Faktor beträgt in Abhängigkeit von der Technik und den erforderlichen Baumaßnahmen 1,5 bis 3. Dies ist vor allem auf größere Feuerungsräume, die Steuerung, das größere Brennstofflager und die aufwendigere Brennstoffzuführung zurückzuführen. Besonders geeignet sind somit Standorte mit einem hohen Wärmebedarf. Dieser bedeutet, das die Kapitalkosten (Abschreibung, Versicherung) bezogen auf die Gesamtkosten der Wärmeerzeugung sinken und der Anteil der Brennstoffkosten steigt. Eine weitere Kostenreduktion ist durch die Nutzung vorhandener Bauhüllen möglich. Dafür eignen sich besonders ehemalige Standorte von Braunkohleheizanlagen. Diese sind in vielen Objekten im ländlichen Raum, zum Beispiel Schulen oder Trocknungsanlagen vorhanden. Die Brennstoffkosten bei Trocknungsprozessen im Pflanzenbau sowie der Zierpflanzen- und Gemüseproduktion unter Glas sind die größte Kostenposition in diesen Betriebszweigen. Damit ist bei den gegenwärtig hohen Preisen für Heizöl die Umrüstung landwirtschaftlicher Trocknungsanlagen und von Gewächshäusern (Wärmebedarf 130 bis 150 kW/m²) auf eine Wärmeversorgung mit Holz fast zwingend notwendig.
Weitere prädestinierte Standorte sind zum Beispiel neu zu errichtende Gewerbe- und Wohngebiete sowie Schulungszentren und natürlich Industriebetriebe mit hohem Prozeß- und Heizwärmebedarf.

Vielfältige Techniken vorhanden

Einer guten Planung von Biomasseheizanlagen kommt eine entscheidende Bedeutung zu. In Deutschland sind über 100 Anbieter auf dem Markt. Es beginnt mit der klassischen Einzelfeuerstätte (Küchenherd, Kamin) und geht bis zu Heizkraftwerken von 50 MW-Leistung. Für Einfamilienhäuser ab 10 kW und Einzelobjekte mit Anlagen bis 100 kW-Feuerungswärmeleistung, zum Beispiel für Werkstätten, oder Sozialgebäude bieten sich Scheitholzvergaserkessel an.
Hinweise zur Kesselwahl, wie Preise, Brenndauer oder Bedienkomfort, sind der Broschüre "Scheitholzvergaserkessel" , herausgegeben von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe in Gülzow, zu entnehmen
Holzfeuerungen erfüllen die Anforderungen an moderne Heizsysteme. Gut geplante Anlagen ermöglichen bei den derzeitigen Preisen für Heizöl in vielen Bereichen eine drastische Einsparung der Kosten. Bei der Planung einer Anlage sind der Standort, die Brennstoffauswahl und die Technik aufeinander abzustimmen. Wie überall muß höherer Bedienkomfort mit höheren Preisen bezahlt werden. Dies bedingt nicht automatisch höhere Betriebskosten. Bei der Gesamtkalkulation sind neben den Brennstoff- und Investitionskosten die Wartungs- und Reparaturkosten sowie die Arbeitskräftekosten zur Betreuung der Anlage zu beachten.

Quelle: Bauernzeitung (Thüringen), Ausgabe 45 (10. November 2000), S. 27