Biogas last update 07.12.2000



Wirtschaftlichkeit von Biogasanlagen

Über die Wirtschaftlichkeit lassen sich pauschal nicht viele Aussagen treffen.
Aber es gilt grundsätzlich:

  • Anlagen, die weitgehend im Selbstbau mit einem hohen Anteil an Eigenleistung und unter Verwendung von gebrauchten Bauteilen gebaut werden, haben aufgrund geringerer Erstellungskosten bessere Aussichten auf das Erreichen einer Wirtschaftlichkeit als industriell gefertigte Anlagen, die häufig nur mit staatlicher (oder sonstiger Förderung) wirtschaftlich arbeiten können. Allerdings erfordert der hohe Eigenleistungsanteil auch viele Arbeitsstunden und Eigenbauanlagen sind vergleichsweise reparaturanfälliger und kurzlebiger.
  • was die Größe betrifft gilt die Faustzahl 80 bis 100 GV um in den rentablen Bereich zu kommen.
  • eine Möglichkeit die Kosten zu drücken besteht in der Gemeinschaftsnutzung einer Anlage durch mehrere Landwirte
  • Kofermentation verbessert die Rentabilität von Anlagen

Anhand von zwei Zahlenbeispielen soll die Wirtschaftlichkeitsberechnung vorgestellt werden (Weiler, 1995):

wirtschaftlich arbeitende Anlage
               
unwirtschaftlich arbeitende Anlage

Anzahl GV

100,0

 

1,5 m3/GV und Tag
65 % Methangehalt
10,0 kWh/m3

Anzahl GV

40,0

 

1,5 m3/GV und Tag
65 % Methangehalt
10,0 kWh/m3 Methan

Energie (kWh/a)

355.875

20 %
28 %
30 %
22 %

71.175 kWh Verlustenergie
99.645 kWh Prozessenergie
106.763 kWh Wärmeenergie
78.293 kWh Stromenergie

Energie (kWh/a)

142.350

20 %
28 %
30 %
22 %

28.470 kWh Verlustenergie
3.9858 kWh Prozessenergie
42.705 kWh Wärmeenergie
31.317 kWh Stromenergie

Kosten

 

Nettokosten

200.000

 

113.217

 

20.000 DM Eigenleistung
23.478 DM Mehrwertsteuer
31.304 DM Zuschuss R-A
12.000 DM Zuschuss R-B

Kosten

 

Nettokosten

150000

 

78435

 

20.000 DM Eigenleistung
16.957 DM Mehrwertsteuer
22.609 DM Zuschuss R-A
12.000 DM Zuschuss R-B

Ausgaben

 

Summe

 

 

16.983

8 %
6 %
1 %

9.057 DM Abschreibung
6.793 DM Zins
1.132 DM Wartung

Ausgaben

 

Summe

 

 

11.765

8 %
6 %
1 %

6.275 DM Abschreibung
4.706 DM Zins
784 DM Wartung

Einnahmen






Summe








20.539

21500 kWh
56793 kWh

0,28 DM/kWh
6020 DM Stromeinsparung
0,15 dm/kWh
8.519 DM Stromverkauf
4.000 DM Wärmeeinsparung
2.000 DM Dungverbesserung

Einnahmen






Summe








8.293

21.500 kWh

0,28 DM/kWh
6.020 D Stromeinsparung
0,15 D/kWh
1.473 DM Stromverkauf
0 DM Wärmeeinsparung
800 DM Dungverbesserung

Bilanz   3.556   Gewinn Bilanz -3.473   Verlust

 

Neben dem reinen Energiegewinn aus der Biogasanlage bringt die Güllevergärung weitere Vorteile mit sich, die von mittelbarem wirtschaftlichen Nutzen sein können (Köttner, 1998):

  • Dungwertverbesserung: Da bei der Vergärung Kohlenstoff abgebaut wird, verengt sich das C/N-Verhältnis der Gülle. Damit wird der Stickstoff besser verfügbar und seine Wirkung besser kalkulierbar. Sie wurde in den obigen Berechnungen ebenfalls berücksichtigt.
  • Die Gülle ist durch die Vergärung dünnflüssiger: Dadurch besitzt sie bessere Ausbringungseigenschaften und dringt besser in den Boden ein. Letzteres vermindert gasförmige N-Verluste
  • Geruchsreduzierung: Kann gerade in Feriengebieten einen großen Vorteil darstellen
  • Hygienisierung: Je höher die Betriebstemperatur der Biogasanlage, desto mehr Keime werden abgetötet. Im allgemein üblichen mesophilen Temperaturbereich ist sie somit von untergeordneter Bedeutung
  • Abtöten von Unkrautsamen: Je länger Unkrautsamen in der Gülle verbleiben, desto stärker werden sie abgetötet. Dies vermindert eine Verunkrautung und das Wiedereinbringen von Pflanzen auf das Feld.