HANF im Praxisanbau

Erste Erfahrungen der Landwirte mit der „neuen" Kultur

Mechtild Konermann, Institut für umweltgerechte Landbewirtschaftung Müllheim

Die Kulturpflanze Hanf durfte 1996 erstmalig wieder in Deutschland angebaut werden. Im ersten Anbaujahr haben sich 97 Landwirte aus Baden-Württemberg mit 190 Hektar (ha) Hanf als Pioniere im Hanfanbau betätigt. Als 1996 die erste bundesdeutsche Faseraufschlußanlage in Malsch bei Karlsruhe in Betrieb ging, wurde die Anbaufläche im Jahr 1997 von 115 Landwirten auf 429 ha in Baden-Württemberg ausgeweitet. Die Fläche hat sich damit mehr als verdoppelt, während sich die Zahl der Anbauer nur geringfügig erhöhte. Die Anbaufläche ist im Einzelbetrieb also deutlich gestiegen. Waren 1996 noch 58 Prozent der Hanfanbauflächen unter 2 Hektar, so sind es 1997 nur noch 39 Prozent. Hanf scheint sich vom „Probieranbau" zur festen Anbaukultur zu entwickeln.

Die Abbildung 1 zeigt dies deutlich.

Abb.1 Hanfanbaufläche 1996/97 nach den Angaben der befragten Landwirte

Aus der Verteilung der Anbauflächen in Baden-Württemberg in Abbildung 2 (Anlage) ist zu ersehen, daß sich der Anbau sehr stark im Umkreis der Aufbereitungsanlage in Malsch konzentriert. Darüber hinaus sind vereinzelt Hanfanbauflächen in anderen Teilen Baden-Württembergs zu finden.

Um die Anbauerfahrungen der Landwirte auswerten zu können, hat das Institut für umweltgerechte Landbewirtschaftung (IfuL) in Zusammenarbeit mit der Aufbereitungsanlage in Malsch einen Fragebogen zum Hanfanbau erarbeitet.

Erste Ergebnisse sollen nun dargestellt werden:

Sorten und Produktionsziel

Die Saatgutversorgungssituation war auch 1997 eher als schlecht zu bezeichnen. So war die Sorte Futura, die 1996 recht häufig und mit guten Erfolgen angebaut wurde, vergriffen. Andere Sorten, die sich in Sortenversuchen als gut erwiesen haben, wurden nicht rechtzeitig zur Aussaat zugelassen.

Außerdem hatten Betriebe des ökologischen Landbaus Schwierigkeiten, ungebeiztes Saatgut zu erhalten.

 

Abb.3: 1997 angebaute Hanfsorten je Betrieb und Produktionsziel nach Angaben der befragten Landwirte

 

Aufgrund dieser Situation sind nur 3 französische Sorten zur Aussaat gekommen. Die Sorten Fedora, Fedrina und Felina sind jeweils zu einem Drittel angebaut worden (siehe Abb. 3).

Bei der Betrachtung der Produktionsziele wird deutlich, daß die Sorten Felina und Fedrina hauptsächlich zur Fasernutzung zum Einsatz kamen und die Sorte Fedora sowohl zur reinen Faser- als auch zur Doppelnutzung von Fasern und Samen angebaut wird (Abb.4). Dies entspricht der französischen Sortenbeschreibung, wonach die Sorte Fedora mit bis zu 12 dt/ha den höchsten Kornertrag liefert.

Die Landwirte strebten die Doppelnutzung der Hanfpflanze relativ häufig an. Sie wurde in 28 Prozent der Hanfanbaubetriebe durchgeführt, wobei die ökologisch bewirtschafteten Betriebe stärker auf eine zusätzliche Samenertragsnutzung gesetzt haben (Abb.3 und 4).

 

Abb.4: Produktionsziel in Abhängigkeit von der Bewirtschaftungsform und den angebauten Sorten

 

Der Absatzmarkt für Hanfsamen ist im Gegensatz zum Faserabsatz wenig organisiert. Aber für Hanfsamen aus kontrolliert biologischem Anbau sollen gute, kostendeckende Preise zu erzielen sein.

Demgegenüber wird bei der Fasernutzung in erster Linie die Verarbeitung in Malsch angestrebt. Der Transport dorthin ist jedoch bei weiten Wegen mit relativ hohen Kosten verbunden, da die Hanfballen ein geringes Gewicht bei großem Volumen aufweisen. Die Transportwürdigkeit ist insgesamt als gering einzuschätzen.

Anbau

Nach Aussagen der Landwirte entstehen beim Anbau keine Probleme.
Bei genauerer Betrachtung lassen sich jedoch durchaus interessante Unterschiede feststellen:

Stickstoffdüngung:
Wie zu erwarten ist, steigt mit zunehmender Stickstoff (N)-Düngung das Ertragsniveau grundsätzlich an. Bei der Betrachtung der Höhe der N-Düngung (aufgeteilt in <100 kg N/ha bzw. >100 kg N/ha) und den erzielten Trockenmasseerträgen (TM) (aufgeteilt in <80dt TM/ha und >80 dt TM/ha) zeigt sich, daß niedrige N-Düngungsstufen auch niedrigere Erträge liefern, aber eine hohe N-Düngung noch lange nicht zu hohen Erträgen führen muß (Abb. 5). Hanf benötigt für gute Erträge zwar durchaus Stickstoff, aber die Stickstoffdüngung war auf vielen Betrieben nicht der ertragslimitierende Faktor.

Einige Landwirte haben nach Sturm oder Gewitter beobachtet, daß der Hanfbestand ins Lager ging. Diese Lagerneigung ist mit der Stickstoffdüngungsintensität direkt gekoppelt. Bestände, die stärker mit Stickstoff gedüngt waren, gingen eher ins Lager, als Bestände, die verhalten gedüngt wurden (Abb.5).

 

Abb:5: Einfluß der Düngung auf die Ertragsleistung vom Hanf und auf die Lagerneigung

 

Krankheiten und Schädlinge:
Obwohl in der Literatur sehr viele Krankheiten beim Hanf beschrieben sind, wurden im Praxisanbau nur sehr vereinzelt Krankheiten festgestellt. 2 Landwirte berichteten von einem Pilzbefall und auf 3 Betrieben ist ein Schneckenbefall festgestellt worden. Die Untersuchung zeigt also, daß der Hanf zumindest zur Zeit nicht stärker von Krankheiten oder Schädlingen heimgesucht wird.

Für die Samenernte sind die Vögel als größte Gefahr zu betrachten. Die Fraßschäden können bis zum totalen Kornverlust führen, zumal viele Hanfkörner allein durch das Aufsitzen der Vögel auf die Samenstände ausfallen.

Weiterhin gibt es Mitbürger, die in der Hoffnung auf einen kostenlosen 'Joint' größere Schäden in den Beständen anrichten. Es ist also ratsam, den Hanf auf Flächen anzubauen, die nicht in unmittelbarer Nähe oder Sichtweite dieser 'Interessenten' liegen. (An dieser Stelle sei nochmals darauf hingewiesen, daß es sich bei den angebauten Sorten nicht um Drogenhanf handelt. Es ist also in keinster Weise eine Rauschwirkung zu erzielen.)

 

Unkräuter:
Die Unkrautunterdrückungsleistung von Hanf ist nach den Angaben der Landwirte sehr hoch. Bei geringem bis mittlerem Unkrautdruck wird der Hanf sehr gut mit diesen Unkräutern fertig. Aber auch bei hohem Unkrautdruck ist die Unterdrückungsleistung des Hanfes beachtlich (Abb.6).

 

Abb.6: Unkrautunterdrückungsleistung von Hanf nach Angaben der Landwirte

Eine ausgesprochen negative Erfahrung machte hingegen ein Landwirt, der den hohen Unkrautdruck im Hanf chemisch (Mittel: Fusilade) bekämpfte. Mit der Spritzung wurde auch 80 Prozent des Hanfbestandes abgetötet. Die Hanfblätter, die ansonsten für die gute Beschattung des Bodens sorgen, sind abgefallen, und die Unkräuter konnten ungehindert nachwachsen. Der Bestand war nicht mehr erntefähig.

 

Staunässe und Verdichtung:
Ein interessanter Zusammenhang läßt sich auch zwischen der Pflanzenhöhe und den Angabe der Landwirte zu Staunässe bzw. Verdichtungen feststellen. So waren die Flächen, auf denen der Hanf nur bis zu 2 Meter hoch gewachsen war, immer verdichtet. Dies deckt sich mit den Angaben in der allgemeinen Literatur, daß der Hanf sehr empfindlich auf Bodenverdichtungen reagiert. Demgegenüber gibt es aber auch 2 Flächen, auf denen der Hanf 3-4 m hoch wuchs, obwohl nach den Angaben der Landwirte auch dort Verdichtungen vorlagen (zum Teil sind diese Verdichtungen jedoch nur auf den Randbereich bzw.auf das Vorgewende beschränkt).

Im Gegensatz zur Bodenverdichtungen zeigt die Staunässe eher einen positiven Einfluß auf die Pflanzenhöhe. Auf den Flächen mit Staunässe haben sich die höchsten Hanfbestände entwickelt

 

Abb.7: Pflanzenhöhe in Abhängigkeit vom Bodenzustand

 

Ernte

Nachdem im ersten Hanfanbaujahr die Ernte noch zu großen Problemen geführt hat, waren die Landwirte 1997 besser vorbereitet. Bei der reinen Faserernte wurde zum größten Teil die Hempflax-Technik eingesetzt, die in den meisten Fällen keine Ernteprobleme bereitete. Demgegenüber ist die Doppelnutzung von Fasern und Samen weiterhin als sehr kritisch zu betrachten, was die Erntetechnik anbelangt (Abb.8). So können die Landwirte bei einer Doppelnutzung nicht auf die Hempflax-Technik zurückgreifen, sondern müssen mit einem Mähdrescher in den Bestand fahren. Die verschiedenen Mähdreschertypen haben meist keine spezielle Ausrüstung gegen die stark zum Wickeln neigenden Hanffasern. Dementsprechend waren die Ernteerfahrungen der Landwirte sehr unterschiedlich.Bei der Samennutzung sollte auf Mähdreschertypen zurückgegriffen werden, die ihr Schneidwerk möglichst hoch einstellen können. Damit kann der Stengelanteil, der durch den Drescher läuft, so gering wie möglich gehalten werden (niedrige Hanfbestände sind deshalb für eine Doppelnutzung besser geeignet). Auch sollten die Einzugsketten möglichst sicher abgedeckt sein. Beim Pressen hat sich der Einzug mit Riemen als positiv herausgestellt.

Bei der Samenernte müssen die geernteten Samen sehr schnell nachgetrocknet werden, da aufgrund des hohen Grünkornanteils der Feuchteanteil um die 30 Prozent liegt.

 

Abb.8: Ernteprobleme beim Hanf in Abhängigkeit von Erntetechnik und Produktionsziel

 

Betriebswirtschaft

Bei der Faserernte von Hanf sind sehr starke Ertragsschwankungen von 23-130 Dezitonnen (dt) TM/ha aufgetreten. Der durchschnittliche Stengelertrag liegt mit 62 dt deutlich niedriger als bei bisherigen Deckungsbeitragsberechnungen zugrundegelegt wurde. Auch das Ertragsniveau bei der Samenernte schwankt noch erheblich. So wurden nach Angaben der Landwirte zwischen 3-17 dt/ha geerntet. Eine betriebswirtschaftliche Berechnung zum Hanfanbau ist aufgrund der großen Ertragsunterschiede und den starken Differenzen in den Angaben der Landwirte zu den verschiedenen Ausgaben recht schwierig. Deshalb kann die aufgeführte Berechnung nur als grober Anhaltspunkt für die einzelbetriebliche Entscheidung für oder gegen den Hanfanbau dienen (Tab.1). Je nach Entfernung zur Faseraufbereitungsanlage in Malsch sind die Transportkosten mehr oder weniger hoch. Auch der Samenerlös kann je nach Abnehmer sehr unterschiedlich ausfallen. Bei der Berechnung in Tabelle 1 sind 3 Ertragsvarianten angenommen worden: die einfache Fasernutzung mit 65 dt TM/ha (entspricht dem diesjährigen Ertragsdurchschnitt), eine Variante mit 100 dt (als zukünftiges Ertragspotential) und eine Doppelnutzungsvariante von Fasern und Samen. Bei der Berechnung zeigt sich, daß die Doppelnutzungsvariante am Besten abschneidet, wobei hier jedoch die Vermarktung der Samen selbst organisiert werden muß. Im Anbaujahr 1997 wurde die Prämie mit 1397 DM festgelegt, wie hoch sie für 1998 ausfällt wird zur Zeit diskutiert. Es ist jedoch offensichtlich, daß der Hanfanbau ohne staatliche Unterstützung noch nicht bestehen kann.

Tab.1: Betriebswirtschaftliche Berechnung zum Hanfanbau

Ertragsleistung in dt TM/ha

65 dt Stroh

100 dt Stroh

40 dt Stroh und 8 dt Samen

Einnahmen (DM/ha)

Erlös Stroh
(13 DM/dt)

845

1300

520

Erlös Samen
(150 DM/dt)

1200

Prämie

1397

1397

1397

Summe Einnahmen

2242

2697

3117

Ausgaben (DM/ha)

Saatgut

350

350

300

Düngung

150

200

150

Pflanzenschutz

0

0

0

Lohnmaschinen

500

600

900

Transport

350

400

400

Summe Ausgaben

1350

1550

1750

Einnahmen - Ausgaben

892

1147

1367