Ätherisches Hanföl - erste Prüfung einiger Herkünfte
Vito Mediavilla und Simon Steinemann
Eidgenössische Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau (FAL), Reckenholzstrasse
191, CH-8046 Zürich
erschienen in: Biorohstoff Hanf 97, Tagungsband zum Symposium 27.02.-02.03.1997, nova-Institut (Hrsg). Frankfurt am Main 1997, S. 539-541
Essential hemp oil - first assessment of some genotypes (abstract)
The production of essential oil from flowers is one of several possibilities of hemp utilisation. Recently this oil has become of interest in Switzerland. The essential oil of 19 hemp genotypes has been prepared by steam distillation. A first quantitative and qualitative assessment is presented.
Einleitung
Ätherisches Hanföl wird in Kosmetika (Seifen, Shampoos, Cremen, Massageölen), Duftlampen, Parfums, in der Aromatherapie und als Zusatz für Lebensmittel verwendet. Die Gewinnung dieser Geruchsstoffe in Form von ätherischem Öl ist somit eine weitere Möglichkeit, den Hanf zu nutzen. In der Schweiz findet diese Nutzung in der landwirtschaftlichen Praxis schon seit zwei Jahren Anklang.
Der typische Cannabis-Geruch stammt nicht, wie oft behauptet, von seinen Cannabinoiden (Terpenophenolen wie THC), sondern von seinen leichtflüchtigen Mono- und Sesquiterpenen. Zu dieser Gruppe gehört zum Beispiel das Caryophyllenoxid, das die Leitsubstanz für Haschisch-Suchhunde ist. Die chemische Zusammensetzung des ätherischen Öls von Cannabis wurde in mehreren Arbeiten,, beschrieben.
Wir haben uns folgende Fragen gestellt: Gibt es eine genetische Variabilität beim ätherischen Öl bezüglich der chemischen Zusammensetzung und der Geruchsnote?; Gibt es eine Korrelation zwischen Inhaltstoffen und Geruchsnote?
Methoden
Weibliche Hanf-Blütenstände wurden während 30 Minuten mit einer mit Wasser gefüllten Destillationsanlage aus Kupfer destilliert. Die chemische Zusammensetzung des ätherischen Öles wurde mit Gaschromatographie und Massenspektrometrie bestimmt. Für den Geruchtest wurden die Proben mit Jojobaöl (1:5) verdünnt und auf Duftstreifen aufgetragen. Vierzehn Personen beurteilten den Geruch nach der Skala: sehr gut, gut, nicht besonders, schlecht und sehr schlecht.
Ergebnisse und Diskussion
Die Ausbeute bei der Destillation lag zwischen 1,1 und 1,6 ml ätherischem Öl pro Kilogramm Frischgewicht Blüten, was einer Produktion von etwa 10 Liter ätherischem Öl pro Hektar entspricht (Tabelle 1). Im ätherischen Öl konnten bei der chemischen Analyse 17 Substanzen nachgewiesen werden. Der relativ hohe Anteil an Myrcen (um 50%) ist üblich3,4.
Die Hauptbestandteile des Öls der Fasersorten Futura 77, Kompolti und Fibramulta waren ähnlich (Tabelle 1). Bei den Nebenkomponenten gab es aber gewisse Abweichungen. Kompolti und Futura 77 waren ähnlich, mit Ausnahme des hohen Gehaltes an b -Pinen und Limonen bei Kompolti. Die rumänische Sorte Fibramulta 151 wies einen niedrigen Gehalt an a -Pinen auf, während der Gehalt an trans-Ocimen hoch war. Die aus Bolivien stammende Sorte B3985te, wies einen THC-Gehalt um 6% auf. Sie hatte besonders viel a - und b -Pinen, dafür aber wenig trans-Caryophyllen und a -Terpinolen.
Sowohl bei THC-armen, als auch bei THC-reichen Herkünften schwanken die Geruchsnoten stark (Abbildung 1). Besonders angenehm wurden die Herkünfte Felina 34, SSK, Swihtco 1 Labor, Secuieni 1 und Kompolti hybrid TC empfunden. Einzig der Gehalt an b -Phellandren scheint mit der Geruchsnote positiv signifikant korreliert zu sein. Unsere Hypothese ist, dass die Geruchsnote des Hanföls vom Gehalt an b -Phellandren abhängt. Von keiner anderen Substanz konnte ein Einfluss auf den Duft nachgewiesen werden.
Der THC-Gehalt des ätherischen Öles war unabhängig vom THC-Gehalt in den Blüten immer sehr niedrig (Tabelle 2). Das Verhältnis THC/CBD, das häufig zur Bestimmung des Drogentyps verwendet wird, wurde kaum beeinflusst.
Fazit
Fast alle Inhaltstoffe im ätherischen Hanföl sind ubiquitär1. Viele von diesen Inhaltstoffen sind auch im Hopfen (Humulus lupulus L.) vorhanden3. Zwischen den untersuchten Herkünften wurde eine recht grosse Variabilität beobachtet.
Es ist nun zu prüfen, ob der Gehalt an b -Phellandren wirklich einen Einfluss auf die Geruchsnote hat. Die Wirkung des Erntezeitpunktes auf Zusammensetzung und Ausbeute ist in weiteren Experimenten ebenfalls zu untersuchen.
Danksagung
Für die finanzielle Unterstützung bedanken wir uns beim Hanfhaus Zürich.
Tabelle 1. Chemische Zusammensetzung (%) und Ausbeute des ätherischen Öls ausgewählter Hanfherkünfte.
Fasersorten |
Drogensorte |
|||
| Substanz | Futura 77 |
Kompolti |
Fibramulta 151 |
B3985te |
| a -Pinen | 10,30 |
7,01 |
3,77 |
31,03 |
| b -Pinen | 1,37 |
2,12 |
0,89 |
7,79 |
| D 3-Caren | 0,63 |
spa |
sp |
2,65 |
| Myrcen | 48,62 |
57,90 |
57,16 |
38,32 |
| Limonen | 0,59 |
2,17 |
0,34 |
6,86 |
| b -Phellandren | 0,41 |
0,36 |
0,35 |
0,24 |
| cis-Ocimen | sp |
sp |
sp |
sp |
| trans-Ocimen | 3,46 |
0,67 |
7,24 |
0,67 |
| a -Terpinolen | 14,20 |
13,52 |
10,95 |
4,53 |
| a -Bergamoten | 0,41 |
sp |
sp |
sp |
| trans-Caryophyllen | 14,55 |
11,03 |
16,62 |
3,81 |
| a -Humulen | 2,04 |
1,26 |
1,68 |
0,73 |
| b -Farnesen | 0,60 |
0,22 |
sp |
0,17 |
| b -Selinen | sp |
sp |
sp |
sp |
| Selina-3,7(11)dien | 0,27 |
0,22 |
sp |
0,45 |
| Caryophyllenoxid | 0,44 |
0,51 |
0,47 |
sp |
| 1,2-Benzendicarboxylische Säure,Diethylester | 1,88 |
2,36 |
0,52 |
1,24 |
| Ausbeute (ml/kg Frischgewicht) | 1,3 |
1,1 |
1,2 |
1,6 |
a = Spuren (<0.1 %)
Tabelle 2. Cannabinoidgehalte in der Blüte und im ätherischen Öl.
| Sorte | THC (%) | CBD (%) | THC/CBD | |
|---|---|---|---|---|
| Fedora 19 | Blüten | 0.19 |
1.37 |
0.14 |
| ätherisches Öl | 0.02 |
0.25 |
0.07 |
|
| Swihtco | Blüten | 1.28 |
0.61 |
2.10 |
| ätherisches Öl | 0.08 |
0.04 |
2.00 |
THC = D 9-Tetrahydrocannabinol
CBD = Cannabidiol

Abbildung 1. Korrelation zwischen der Geruchsnote und dem Gehalt an Myrcen, trans-Caryophyllen und b -Phellandren mehrerer ätherischer Öle.
a=Regressionskonstante, r= Korrelationskoeffizient, *=Signifikanz (p<0.05).
Quellen