| Verarbeiter
in Malsch braucht noch mehr Hanf
800 bis 1000 Hektar geplant - Einstieg in Samenernte |
|||
|
Seit 1996 wird im badischen Malsch bei Karlsruhe Hanfstroh zu Industrie-, Baurohstoffen und Tiereinstreu aufbereitet. Der Markt entwickelte sich stetig. Aus anfänglichen 140 Hektar Vertragsanbau für die Firma Badische Naturfaseraufbereitung (BAFA) wurden in diesem Jahr 700 Hektar. Im Jahr 2000 plant das Unternehmen mit bis zu 1000 Hektar. Auf einer Teilfläche sollen mit einer neuentwickelten Maschine erstmals auch die Hanfsamen geerntet werden. BAFA-Geschäftsführer Bernd Frank ist zurzeit dabei, die Anbauverträge für die kommende Saison auszuarbeiten. Auf einer Informationsveranstaltung für Landwirte Mitte Dezember will er sie vorlegen. In diesem Jahr betrug der Abnahmepreis für die über 100 Vertragsanbauer aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern 135 DM pro Tonne Trockenmasse. Bei einer Erntemenge von sieben bis neun Tonnen Hanfstroh und einer Flächenbeihilfe von 1296 DM ließen sich nach Angaben von Frank für den Landwirt pro Hektar knapp 1000 DM Deckungsbeitrag erzielen. Nicht gerade berauschend, im unteren Mittelfeld der Ackerkulturen, wie der BAFA-Geschäftsführer selbst einschätzt. Zu den Abnahmepreisen fürs Jahr 2000 wollte sich der BAFA-Geschäftsführer noch nicht festlegen. Nur soviel ist ihm klar: Trotz ackerbaulicher Vorteile von Hanf (Vorfruchtwert, natürliche Unkrautbekämpfung) darf der derzeitige Deckungsbeitrag nicht unterschritten werden, sonst droht die Rohstoffbasis wegzubrechen. |
|||
|
Unwägbarkeiten liegen in der Höhe der künftigen Flächenbeihilfe, über die in Brüssel möglicherweise erst zur Aussaatzeit definitiv entschieden wird. In der Diskussion ist, die Prämie insgesamt zu kürzen und sie auf Landwirt und Verarbeiter aufzuteilen. Der neue Anbauvertrag soll nach Angaben von Frank so ausgestaltet werden, dass er diese Möglichkeiten berücksichtigt. "Sollte ein Teil der Flächenbeihilfe auf den Verarbeiter entfallen, werden wir diesen Anteil voll an die Landwirte zurückfließen lassen", versichert der Chef und Firmengründer. Auch wenn die Flächenprämie insgesamt gekürzt wird, will die BAFA einen Ausgleich schaffen: Bernd Frank nennt das "Abfederungskonzept". Der Hanfanbau könnte wirtschaftlich interessanter werden, wenn auch die Hanfsamen geerntet und vermarktet würden. In der kommenden Saison soll die gleichzeitige Pflanzen- und Samenernte auf etwa 150 bis 200 Hektar der Vertragsfläche erstmals mit einer neuentwickelten Maschine getestet werden. Die bisherigen Absatzmärkte, die sich die BAFA für das Hanfstroh erschlossen hat, sind die Automobilindustrie (Türverkleidung für Mercedes S-Klasse), die Dämmstoff-Industrie (Thermo-Hanf) und der Gartenbau (Sprossen, Kräuter und Salate auf Pflanzvliesen). Die Schäben finden als Tierstreu Absatz. Derzeit verarbeitet die BAFA zwischen 4000 und 5000 Tonnen Hanfstroh pro Jahr im Zweischichtbetrieb. Als weiteres Ziel hat Bernd Frank ins Auge gefasst, sich mit einem anderen Verarbeiter in den neuen Bundesländern im Rahmen eines Joint Venture zusammenzutun. Zudem berät er andere Hanfprojekte in technischen Fragen. Befürchtungen, sich selbst damit Konkurrenz einzuhandeln, hat er nicht. "Wir brauchen weitere Aufbereitungsanlagen, damit uns die Industrie glaubt, dass wir Liefersicherheit bieten können", so die Überzeugung des badischen Hanf-Pioniers. Walter Eberenz, Redaktion BW agrar, Stuttgart |
Auf etwa 150 bis 200 Hektar der Vertragsfläche soll nächstes Jahr mit einer neu entwickelten Maschine getestet werden, wie sich Hanfpflanze und Samen gleichzeitig ernten lassen |
||
| BW agrar 48/99 | |||